Vergessene Musikinstrumente Teil 1
7. Februar 2010
Das Türklingelophon
Hallo.
In dieser Serie möchte ich Musikinstrumente vorstellen, die, ob zu Recht oder zu Unrecht, in Vergessenheit geraten sind.
Ich möchte beginnen mit dem Türklingelophon. Es wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von seinem gleichnamigen anatolischen Erfinder Ali ‘Türk’ Lingel erfunden und nach Teilen von ihm benannt.
Abb.1 Ein altes TürlingelophonEs hat seine größte Verbreitung an Hauseingängen der westlich geprägten Welt und kann je nach Ausführung auf einer Anzahl von einer bis mehreren hundert Tasten gespielt werden, die meistens beschriftet sind um Verwechselungen zu vermeiden. Moderne Varianten, die uns hier nicht weiter interessieren, verfügen auch über Lautsprecher und Mikrofone, die eine verbale Kommunikation zwischen Musiker und Zuhörer ermöglichen.
Das Türklingelophon hat mehrere Besonderheiten aufzuweisen:
Zunächst kann das gespielte Musikstück fast immer nur in Teilen angehört werden, weswegen der Komponist für eine sehr hohe musikalische Redundanz zu sorgen hat. Nehmen wir dieses Beispiel: Ein Bewohner des ersten Stockes hört die erste und die zweite Note eines Stückes, nicht aber die dritte und die vierte, die für einen Mieter in der vierten oder fünften Etage erklingen. Diese dritten und vierten Noten müssen also für den Bewohner des ersten Stockes absolut entbehrlich sein, oder substituiert durch Noten, die ihm Tatsächlich zu Ohren kommen, also idealerweise schon durch die ersten beiden.
In diesem Umstand liegt eine weitere Besonderheit des Türklingelophons begründet: Es kennt keine spezifischen Tonhöhen. Das heißt, dass der erzeugte Klang zwar von einer spezifischen Tonalität geprägt ist, die Tonhöhe aber absolut keine Rolle spielt und auch nicht spielen darf. Vielmehr entscheidet die Rhythmik der Komposition über ihren musikalischen Gehalt.
Nehmen wir einmal die ersten zwei Takte eines bekannten Stückes unbekannten Namens und unbekannter Herkunft, das nichtsdestotrotz nicht nur auf dem Türklingelophon gerne gespielt sondern beispielsweise auch gerne in Fußballstadien auf der ganzen Welt geklatscht oder getrampelt wird:
Die eingangs erklärte Redundanzbedingung führt in diesem Fall dazu, dass das Stück eine gewisse Repetitivität erfährt. Je komplexer es nämlich in Teilen ist, also Takten beispielsweise, desto simplifizierter muss der Gesamtaufbau sein.
Dies prädestiniert das Türklingelophon natürlich als Einstiegsinstrument – auch für musikalisch ansonsten völlig desinteressierte Kinder. Dass das Türklingelophon nicht, wie sich vermuten ließe, ein Tasten- sondern ein Streichinstrument ist, erklärt sich dadurch, dass es besonders viel von männlichen Kindern gespielt wird, die gerade zu Streichen aufgelegt sind.
Tobias
Prager Sicherheitsmaßnahmen
19. Januar 2010
Hallo.
Neulich war ich mal für ein Weilchen in Prag. Ich sollte auf den Hund eines Freundes aufpassen, der dort lebt, aber für genau dieses Weilchen aus beruflichen Gründen nach Hollywood musste (wo Hunde bekanntlich verboten sind).
Ich fühlte mich etwas unsicher in dieser Stadt und auch der Hund vermochte es nicht, mir ein ausreichendes Gefühl der Sicherheit zu geben. Es war ein gehbehinderter, arbeitsloser Dackel, der auch noch Kettenraucher war. Zigarren!
Ich bat meinen Freund also, mir eine Waffe zu geben. Er hatte aber selbst keine, also kaufte er eine in einem Supermarkt in Hollywood und schickte sie mir per Post in einem Päckchen. Es sollte eine Beretta 92, Kaliber 9×19mm sein.
Das Päckchen kam dann auch an und wurde auf dem Postamt zur Abholung hinterlegt. Es war ein sehr heißer Tag, also kaufte ich mir ein extra großes Eis (12 Kugeln), klemmte mir den Dackel unter den Arm und schwang mich auf das sündhaft teure Mountainbike meines Freundes und radelte zur Post. Ich nahm auch noch mein iPhone mit, damit ich die Pistole sofort bei Erhalt fotografieren konnte um ihm mittels einer von der tschechischen Postbehörde beglaubigten MMS eine Empfangsbestätigung senden zu können, die er brauchte um nicht mit dem amerikanischen Gesetz in Konflikt zu geraten.
Als ich nun beim Postamt ankam, wollte ich zunächst meinen Augen nicht trauen:
Abb.1 Verbote
Ich hatte verdammt großes Glück! Es waren nur Mischlingshunde, Rennräder, Softeis und Zigaretten verboten. Und außerdem Sony-Ericsson Handys, Kleinbildkameras und Handfeuerwaffen der Sorte Walther P88.
Ich nahm also die Knarre in Empfang, knipste sie, sendete die MMS und aß mein Eis auf. Ich fühlte mich so sicher wie noch nie zuvor.
Tobias
Das Ende des S-Bahn Chaos
4. Januar 2010
Hallo.
Viele Leute regen sich ja über die chaotischen Verhältnisse bei der Berliner S-Bahn auf – und das bisher durchaus zu Recht.
Nun aber scheint das Unternehmen der Deutschen Bahn eine Trendwende eingeleitet zu haben: Man kann sich wieder hundertprozentig darauf verlassen, dass es Ausfälle gibt. Nicht nur bei den Zügen sondern auch beim nicht mehr vorhandenen Bahnsteigpersonal ist nun für Unstetigkeit gesorgt und somit dem Durcheinander ein Ende gesetzt.
Tobias
Wie das neue Jahr nicht begann
3. Januar 2009
Hallo.
Der Eine oder Andere von Euch wird sich gefragt haben, was wir Hagedorns eigentlich in der kritischen Zeit um Weihnachten und Neujahr so gemacht haben.
Nun, wir waren ein bisschen mit dem Weihnachtsmann und seiner S-Bahn unterwegs. So ist das nunmal mit Leuten, die etwas verbindet; und sei es auch nur der Umstand, dass viele Leute von dir glauben, es gebe dich in Wirklichkeit gar nicht.
Der Weihnachtsmann ist aber ein ganz okayer Typ, wie ich finde. Allein die Tatsache, dass er "Die Öffentlichen" nutzt, macht ihn mir sympathisch. Andersrum wächst mir die S-Bahn nicht unbedingt stärker ans Herz, nur weil der Weihnachtsmann mit ihr seine Waren transportiert.
Grundsätzlich ist mir die S-Bahn, die zur Deutschen Bahn gehört, eher suspekt. Das kommt nicht von Ungefähr. Zum Beispiel machen mich Plakate wie diese stutzig:
Abb.1 S-Bahn Plakat
Hier denkt man sich zunächst: "Ah ja! Interessant! Ein Unternehmen, dem sogar die Tagger Respekt zollen, indem sie seine Plakate nicht komplett zuschmieren!"
So wird man neugierig und erwägt sogar, einmal eine Stadtrundfahrt durch unsere an Sehenswürdigkeiten leider sehr arme Hauptstadt zu unternehmen. Mit der Panorama-S-Bahn, versteht sich.
Abb.2 Sightseeingwerbung der Bahn
Aber bei genauerem Hinsehen merkt man dann doch leider schnell, dass man hier Gefahr läuft, einem Schwindel aufzusitzen, denn Vieles an dem Plakat ist offensichtlich gefälscht, oder retuschiert:
- Eine Hauptstadt, in der es keine Sehenswürdigkeiten gibt, hat auch keine Orte, die das gleichzeitige Interesse einer ganzen Ladung Touristen auf sich ziehen könnten. Das täte nicht einmal ein Raketenangriff auf die US-Botschaft oder ein Auftritt von Mario Barth.
- Es sind nicht die Freundinnen sondern die Männer, die mit der Video-Kamera uninteressante Dinge aufzeichnen, nur damit sie sie nicht live erleben müssen.
- Niemand hat eine S-Bahn jemals so leer erlebt. Die Fahrgäste im Gang und zwischen den hier sitzenden sind geschickt wegretuschiert worden!
- Mit nackten Fingern zeigt man nicht auf angezogene Leute! Nicht einmal in der S-Bahn! Und dass ausgerechnet der grau melierte Herr vorne im Bild rein zufällig über den berühmten Röntgenblick verfügt, wage ich doch ernsthaft zu bezweifeln …
- … zumal der Mann, auf den da gezeigt wird, unverkennbar Mahmud Ahmadinedschad ist, immerhin der iranische Staatspräsident! Ihm ist eine solche S-Bahn-Tour aber absolut nicht zuzutrauen. Also: frech reinkopiert!
- Man kann niemals eine Panorama-S-Bahn von außen beobachten, wenn man selbst in einer sitzt! Auf dieser Abbildung tun die Fahrgäste dies aber. Das läuft nicht nur dem offiziellen Panorama-S-Bahn-Fahrplan zuwider, sondern auch der Heysenburgschen Verschärftheitsrelation, derzufolge eine S-Bahn umso verspäteter ankommt, je unpünkticher sie ist.
Abb.3 Die so genannte "Panorama-S-Bahn"
Aber im neuen Jahr wird ja vielleicht alles besser.
Tobias
Hallo.
Alles redet mal wieder vom Weihnachtsmann aber kaum einer hat ihn jemals gesehen, geschweige denn zu einem Kaffee eingeladen oder zu einem Bier.
Gestern hatte ich die Ehre und das Vergnügen, ihn immerhin zu Gesicht zu bekommen, wenn auch nur kurz und aber in einer dafür umso intensiveren Situation!
Was mich dabei zunächst sehr erstaunt hat: Er ist offenbar von seinem Schlitten (vermutlich Opel) auf eine S-Bahn umgestiegen und beweist damit ein gutes Gespür für den Zeitgeist. Aber Klimawandel und Finanzkrise können ihm ja wohl auch kaum egal sein, da oben im hohen Norden.
Abb.1 Weihnachtsmann in seinem Weihnachtszug
Und freundlich ist er auch, der Weihnachtsmann. Das weiß man, aber man kann es nicht oft genug betonen. Mit seinen Geschenken hat er seit je her nicht nur verdienstvolle Banker und Volkswirte bedacht sondern eben auch das Fußvolk, das sich ja eigentlich um überhaupt nichts verdient macht. Da werden Kinder von denkleistungsmäßig stark eingeschränkten Mitbürgern, die ALG2 beziehen fast ebenso reich mit Unterhaltungselektronik beschenkt wie die Sprösslinge eines RWE-Vorstandsmitglieds nach dem Frühstück.
Er beschenkt sogar Alkoholiker mit Alkoholika! Und zwar sogar noch dann, wenn diese sich schon vorher nehmen, was ihnen sowieso zukommen soll (was sie natürlich nicht wissen, weil das weihnachtliche Schenken auch immer ein Akt der Überraschung ist).
Abb.2 Dreister HartzIV-Empänger stiehlt dem Weihnachtsmann einen Kasten Bier am hellichsten Tag!
So gesehen ist das Geschäft des Weihnachtsmanns kaum zu unterscheiden von dem eines Finanzministers, der Steuergeschenke machen will, aber ständig von Steuerhinterziehern beraubt wird und dann aber trotzdem weiter schenkt.
Aber glücklicherweise ist wenigstens so ein Finanzminister schwer vorstellbar.
Tobias
Energiespartipp!
3. Dezember 2008
Hallo.
Heute mal ein Energiespartipp von mir:
Wer wissen will, wie man ohne hohe Temperaruren selbst stark verschmutzte Berufskleidung, Oberhemden und Haushaltswäsche sauber und sogar gebügelt bekommt, der sollte mal bei der Feinwäscherei Lange nachfragen.
Ich für meinen Teil war jedenfalls regelrecht geplättet, als ich sah, dass die das trotz eines Mangels an Heißem schaffen.
Abb.1 Feinwäscherei Lange
Möglicherweise wäscht man hier aber auch einfach nur sehr lange.
Erika.
Trendsport 2009: Trinkschach
26. November 2008
Hallo.
Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht sehr sportbegeistert bin. Fußball, Tennis, Joggen, Playstation – all das interessiert mich so wenig wie ich es praktiziere. Selbst die Alternativsportarten Kampftrinken und Schachboxen haben mich nie gereizt. Einzig und allein dem Trinkschach kann ich etwas abgewinnen. Und das auch nur dann, wenn ich ohnehin vorhabe, mal einen zu heben, oder mal wieder Geld brauche. Denn beim Trinkschach wird um Geld gespielt!
Normalerweise gehe ich zum Trinkschach in das Neuköllner Trinkschachzentrum der Neuköllner Trinkschacherer e.V.
Das ist ein ganz netter Club mit angenehmer Atmosphäre.

Abb.1 Flur des Neuköllner Trinkschachzentrums
Das letzte Duell am Sonntag hatte ich mit Udo “drin-King” Dresenklöver, ein starker Trinkschachspieler, der mich bisher aber glücklicherweise noch nicht schlagen konnte. Man sieht ihn hier kurz vor dem Spiel vor der Bar im Wettkampfzimmer.

Abb.2 Udo “drin-King” Dresenklöver
Udo bevorzugt roten Wein, ich hingegen einen starken Wodka. Der wirkt schneller und zuverlässiger und so kann ich mein Handicap vorher präziser abschätzen, was mir schon mal einen strategischen Vorteil bietet.
Diesmal ging es um einhundert Kronen. Man muss wissen, dass im Trinkschach wegen König und Dame als Hauptspielfiguren dieses Geld als offizielle Währung für Preisgelder festgelegt wurde.

Abb.3 Preisgeld
Das Sympathische am Trinkschach ist, dass es kaum ein Verbot leistungssteigernder Maßnahmen gibt. Schließlich ist das Trinken vor und während des Trinkschachduells ja nun leistungsmindernd genug! Und im Gegenteil sogar macht der Erfindungsreichtum und die Phantasie bei der Wahl von Mitteln, die einen möglichst großen Vorteil gegenüber dem Gegner versprechen, die eigentliche Herausforderung bei diesem immer beliebteren Sport aus.
Für das Duell gegen Udo habe ich mir z.B. unter anderem diese Rechentafel zur Seite genommen. So konnte ich besser kalkulieren, mit welchem Promillegehalt wir gegeneinander spielten.

Abb.4 Trinkschachtabelle
Weiterhin entscheidend ist, dass ein Hilfsmittel nur für ein, und genau ein Spiel eingesetzt werden darf! Das erfordert besonderen Erfindungsreichtum und gleichzeitig gutes Antizipieren der Wirksamkeit dieses Hilfsmittels. So wird kreatives Bescheißen trainiert!
Ich hatte mir diesmal also auch eine extrem kontrastmindernde Spezialbrille mitgenommen, die mich vor dem verwirrenden Anblick schütze, der einem fieserweise absichtlich geboten wird, wenn man im Trinkschachzentrum während eines Duells die Toilette aufsuchen muss, was logischerweise sehr häufig passiert.

Abb.5 Trinkschachpissoir
Letztlich gewann ich dieses Spiel gegen Udo aber hauptsächlich mit einer kleinen, blauen Schachtel.

Abb.6 Schach-tel
Sie beinhaltete zwei Kugeln, die den normalen Schachfiguren Einiges voraus haben:
- Sie können sich in noch mehr Richtungen bewegen als die Dame.
- Sie können wie beim Bowling mehrere Figuren auf einmal schlagen.
- Sie können nicht umkippen.

Abb.7 Schachkugeln
Mit diesen Kugeln – es reichte genau genommem eine – konnte ich das Siel sehr früh für mich entscheiden, denn Udo hatte dem nichts entgegenzusetzen. Siegesgewiss pochte er einfach auf die Qualität des eingesetzten Weines von der Krim, was früher schon mal richtig Punkte bringen konnte, im modernen Trinkschach aber nicht mehr ausreicht.
Tobias
Warum die Bahn privat werden will
13. November 2008
Hallo.
Die Bahn (zu der ja auch die S-Bahn gehört) möchte etwas privater werden, wie man weiß. Das Unternehmen will sich am Markt besser positionieren und neue Produkte anbieten.
Zum Beispiel Immobilien: Von denen hat die Bahn ja reichlich auf ihren Bahnhöfen. Nur haben da bisher immer dieser Bahnhofswärter drin rumgelungert, die dafür auch noch bezahlt werden wollten! Dabei lassen sich die Objekte auch prima am freien Wohnungsmarkt anbringen.
Am S-Bahnhof Griebnitzsee lässt sich dieser hübsche kleine Bungalow mit viel Privatsphäre bestaunen oder sogar mieten:

Abb.1 Bahnhofsbungalow Griebnitzsee
Allerdings bieten die Räumlichkeiten nicht sehr viel Platz und so ist u.a. die Installation einer Innentoilette nicht möglich. Das Außenklo ist dafür aber umso pfiffiger gestaltet:
- farblich in coolem Anthrazit statt kühlem Weiß gehalten
- Klodeckel abschließbar (z.B. gegen Benutzung durch unbefugte Bahngäste)
- XXL-Size auch für dicke Menschen
- schräge Sitzfläche – man kann lässig angelehnt Stuhlgang haben
- elektrische Hochleistungsspülung (links)

Abb.2 Außenklo des Bahnhofsbungalows
Und auch an ein Außentelefon hat man gedacht! So hat man wieder mehr Platz z.B. für Faxgeräte.
Top-Features:
- drei Kurzwahltasten
- keine Möglichkeit, andere Nummern zu wählen, die nur unnötig Gebühren verursachen würden
- “Randale-Protection” gegen marodierende Studenten aus Babelsberg
- Design

Abb.3 Außentelefon
Also: Schnell zuschlagen, wer eine günstige Bude mit sehr guter Verkehrsanbindung sucht und wen die Friedhofsstille einer Hinterhofwohnung in Prenzlauer Berg depressiv macht.
Tobias
Behindertenfeindlichkeit in der Werbung
11. November 2008
Hallo.
Wenn sich die Werbung über Blinde (auch wenn sie noch so gut aussehen) lustig macht und sie zum Sehtest schicken will, dann hört hier der Spaß für mich auf!
Abb.1 Blinde in der Werbung
Tobias




