von Erika

Ich wollte mir neulich mal ausnahmsweise eine besonders schicke Bluse kaufen (wir waren abends eingeladen), hatte aber bei uns in Charlottenburg nichts richtig Elegantes finden können.

Eine Bekannte gab mir dann den Tipp, ich solle mal nach Paris fahren, weil da der Schick sozusagen erfunden wurde und man da bestimmt was bekommt.

Wir sind dann also losgefahren, obwohl wir gar nicht auf den Stadtplan geguckt hatten, wo Paris eigentlich liegt.

Die Richtung war aber auf alle Fälle goldrichtig und als wir einmal bei Senftenberg ausgestiegen sind, weil Horst aus Versehen den Tank leergefahren hat, entdeckte ich diese schicke Boutique:

Paris Fashion

Ich fand auf Anhieb eine gaaanz extravagante Bluse (mit Leopardenfellmusterapplikationen) und sogar einen sehr, sehr schicken Pullover für die etwas kühleren Operettenabende.

Nebenan war ein Friseur der für wirklich erstaunlich wenig Geld mein Haar dem neuesten Pariser Schick nach frisiert hat (Dauerwelle „Flieder“).

Auch gab es um die Ecke exzellente Krepps (ohne Papier), das sind diese leider etwas zu dünn geratenen Eierkuchen mit Nutella.
Auf der Straße sahen wir nur hübsche junge Menschen, die sich küssten und ein Bagettbrot in der Hand hielten („Handhelds“, wie Horst bemerkte).

Was die Leute redeten, konnten wir nicht verstehen. Und sie verstanden uns anscheinend auch nicht. Jedenfalls konnte ich keine Schrippen für unterwegs kaufen, bastelte mir dann also selbst welche aus einem Bagettbrot.

Es war alles so schön, dass wir gar nicht weiter gefahren sind, sondern noch am selben Tag zurück nach Berlin fuhren.

Und wir wussten jetzt, warum da die ganze Welt immer hinfährt.

Erika Hagedorn

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