Trendsport 2009: Trinkschach

November 26, 2008

Hallo.

 

Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht sehr sportbegeistert bin. Fußball, Tennis, Joggen, Playstation – all das interessiert mich so wenig wie ich es praktiziere. Selbst die Alternativsportarten Kampftrinken und Schachboxen haben mich nie gereizt. Einzig und allein dem Trinkschach kann ich etwas abgewinnen. Und das auch nur dann, wenn ich ohnehin vorhabe, mal einen zu heben, oder mal wieder Geld brauche. Denn beim Trinkschach wird um Geld gespielt!

 

Normalerweise gehe ich zum Trinkschach in das Neuköllner Trinkschachzentrum der Neuköllner Trinkschacherer e.V.

Das ist ein ganz netter Club mit angenehmer Atmosphäre.

 

Abb.1 Flur des Neuköllner Trinkschachzentrums

 

Das letzte Duell am Sonntag hatte ich mit Udo „drin-King“ Dresenklöver, ein starker Trinkschachspieler, der mich bisher aber glücklicherweise noch nicht schlagen konnte. Man sieht ihn hier kurz vor dem Spiel vor der Bar im Wettkampfzimmer.

 

Abb.2 Udo „drin-King“ Dresenklöver

 

Udo bevorzugt roten Wein, ich hingegen einen starken Wodka. Der wirkt schneller und zuverlässiger und so kann ich mein Handicap vorher präziser abschätzen, was mir schon mal einen strategischen Vorteil bietet.

Diesmal ging es um einhundert Kronen. Man muss wissen, dass im Trinkschach wegen König und Dame als Hauptspielfiguren dieses Geld als offizielle Währung für Preisgelder festgelegt wurde.

 

Abb.3 Preisgeld

 

Das Sympathische am Trinkschach ist, dass es kaum ein Verbot leistungssteigernder Maßnahmen gibt. Schließlich ist das Trinken vor und während des Trinkschachduells ja nun leistungsmindernd genug! Und im Gegenteil sogar macht der Erfindungsreichtum und die Phantasie bei der Wahl von Mitteln, die einen möglichst großen Vorteil gegenüber dem Gegner versprechen, die eigentliche Herausforderung bei diesem immer beliebteren Sport aus.

Für das Duell gegen Udo habe ich mir z.B. unter anderem diese Rechentafel zur Seite genommen. So konnte ich besser kalkulieren, mit welchem Promillegehalt wir gegeneinander spielten.

 

Abb.4 Trinkschachtabelle

 

Weiterhin entscheidend ist, dass ein Hilfsmittel nur für ein, und genau ein Spiel eingesetzt werden darf! Das erfordert besonderen Erfindungsreichtum und gleichzeitig gutes Antizipieren der Wirksamkeit dieses Hilfsmittels. So wird kreatives Bescheißen trainiert!

Ich hatte mir diesmal also auch eine extrem kontrastmindernde Spezialbrille mitgenommen, die mich vor dem verwirrenden Anblick schütze, der einem fieserweise absichtlich geboten wird, wenn man im Trinkschachzentrum während eines Duells die Toilette aufsuchen muss, was logischerweise sehr häufig passiert.

 

Abb.5 Trinkschachpissoir

 

Letztlich gewann ich dieses Spiel gegen Udo aber hauptsächlich mit einer kleinen, blauen Schachtel.

 

Abb.6 Schach-tel

 

Sie beinhaltete zwei Kugeln, die den normalen Schachfiguren Einiges voraus haben:

 

  1. Sie können sich in noch mehr Richtungen bewegen als die Dame.
  2. Sie können wie beim Bowling mehrere Figuren auf einmal schlagen.
  3. Sie können nicht umkippen.

 

Abb.7 Schachkugeln

 

Mit diesen Kugeln – es reichte genau genommem eine – konnte ich das Siel sehr früh für mich entscheiden, denn Udo hatte dem nichts entgegenzusetzen. Siegesgewiss pochte er einfach auf die Qualität des eingesetzten Weines von der Krim, was früher schon mal richtig Punkte bringen konnte, im modernen Trinkschach aber nicht mehr ausreicht.

 

Tobias

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